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03.07.2026 - Am 26. Juli ist Tag der Seenotretter
05.01.2018
Ein frohes neues Jahr!
... wünschte Bürgermeister und Kurdirektor Berthold Tuitjer am Freitagvormittag beim traditionellen Neujahrsempfang im gut gefüllten Kinderspielhaus. Vor seiner Neujahrsansprache stimmten die Baltrumer Brass Kids mit Trompeten und Hörnern musikalisch auf das neue Jahr ein. Tuitjer bedankte sich bei Günter Ludwig für die Gründung, die Betreuung und all die Jahre treuen Engagements. Er hoffe, dass sich eine Nachfolge für den nun aus Altersgründen ausscheidenden musikalischen Leiter des erfolgreich zusammengewachsenen Ensembles finden möge. Außerdem bedankte er sich bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für das leibliche Wohl und gute Stimmung an diesem Tage sorgten, sowie explizit bei der Presse.
Es war des Bürgermeisters fünfter Neujahrsempfang, und auf das Jahr des 500-jährigen Reformationsjubiläums 2017 blickte mit einem Luther-Motto zurück: "Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!"
Tuitjer freute sich vor allem, dass die Gemeinde durch die richtige Weichenstellung und die beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen auf einem guten Wege sei. Die Bemühungen hätten sich durch die Entschuldungshilfe des Landes und des Kreises im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht. Er dankte Kämmerer Harm Ubben und seinem Team aus Ihlow für die gute Zusammenarbeit. Leider verfüge Baltrum nicht über einen eigenen Kämmerer, und auch die Absolventin der Fachhochschule der Verwaltungswirtschaft in Hannover würde aus privaten Gründen die Insel zum 1. Februar verlassen, bedauerte er. Die Tideabhängigkeit sei aus touristischer Sicht ohne Zweifel Prädikat und Aushängeschild, dieses Alleinstellungsmerkmal stelle aber in gleichem Maße im Bereich der Fachkraftgewinnung ein großes Problem dar.
Tuitjer lobte die gelungene Neugestaltung des Baltrum-Logos und die damit verbundene Erneuerung der Homepage und des Gastgeberverzeichnisses durch das Baltrumer Marketing-Team. Die "alte Dame Dornröschen" sei behutsam und mit Stil verjüngt worden. Die Reederei Baltrum-Linie habe als erste das neue Logo auf ihren Frachtgutcontainern realisiert, freute er sich. Ein neuer Webshop soll künftig die Baltrum-Produkte mit Erfolg vertreiben.
Der historische Badeturm konnte durch die Tatkraft der Inselfreunde Baltrum e.V. wieder am Strand aufgestellt werden. Ohne öffentliche Fördergelder, nur durch die Spenden und die Arbeit der Inselfreunde sei es in sehr kurzer Zeit gelungen, dieses Projekt umzusetzen. Der Badeturm sei bereits nach einer Saison ein bekanntes und nicht mehr wegzudenkendes Strandmobiliar. Demgemäß ziere er die Titelseite des diesjährigen Gastgeberverzeichnisses. Der Badeturm habe das Potential, ein besonderes Markenzeichen der Insel zu werden. Die Standesamtsaufsicht des Landkreises Aurich habe die Genehmigung erteilt, im Badeturm Eheschließungen durchzuführen, war Tuitjer froh.
Der über den LEADER Wattenmeerachter angeschaffte Solarrollstuhl erfreue sich großer Beliebtheit und werde wider Erwarten gut in Anspruch genommen. Für 2018 gebe es bereits viele Vorbuchungen. In Hinblick auf den demografischen Wandel habe sich die strategisch zukunftsorientierte Anschaffung gelohnt.
In der Gemeindeverwaltung wurde kürzlich ein Dokumenten-Management-System eingeführt. Die Digitalisierung in allen Lebensbereichen lasse sich nicht aufhalten und berge mehr Chancen als Risiken, fand Tuitjer. Gerade kleine Verwaltungen wie Baltrum können durch gezielten Technikeinsatz langfristig Kosten und Mühen sparen. In den Anfangsjahren entstehe durch die Einarbeitung und Eingewöhnung zwar erhöhter Aufwand. Langfristig ergebe sich durch den Einsatz aber eine deutliche höhere Wirtschaftlichkeit. "Die Ernte folgt bekanntlich immer erst nach der Saat und der Pflege." Das 2016 eingeführte papierlose Zeiterfassungssystem trage bereits Früchte. Er hoffe, die Ratsmitglieder für die Zukunft zu einem papierlosen Ratsinformationssystem bewegen zu können, das viele Abläufe vereinfachen, rechtssicher standardisieren und auch die Öffentlichkeit besser und direkter einbeziehen könnte.
Tuitjer blickte auf die baurechtlich bedeutsame Satzung zur Sicherung von Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion zurück, die im Sommer beschlossen worden war. Neben der Begründung von Wohnungseigentumsrecht könne nunmehr auch die Bildung von Bruchteilseigentum unter Genehmigungsvorbehalt der Gemeinden gestellt werden.
Bei den Inselkonferenzen in Hannover hatten sich die Inselbürgermeister geschlossen für eine entsprechende Änderung des Bundesbaugesetzes eingesetzt. Künftig könnten Gebäude, die zuvor in Gesamtheit als Ferienwohnungsanlage betrieben wurden, nicht mit dem Ziel der anschließenden Teilung in Zweitwohnungen veräußert werden. Diese Satzung solle dazu dienen, örtliche Strukturen zu sichern und den Ausverkauf der Insel zu verhindern. Bei den vorherrschenden Immobilienpreisen sei es jedoch für junge Familien nahezu unmöglich, sich auf der Insel anzusiedeln und eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. "Natürlich will der Insulaner, der aus Alters- oder Abwanderungsgründen seine Immobilie verkauft, einen hohen Kaufpreis zur Alterssicherung erzielen. Diesen Interessenspagat kann die neue Satzung nur ansatzweise lösen. Der wichtigste Ansatz findet im Bewusstsein, also im Wollen und Handeln statt."
Anhand des Beispiels Inselkino beleuchtete Tuitjer die Saisonstruktur. Die meisten Gäste besuchten die Insel von April bis Oktober, die viel diskutierte Saisonverlängerung scheine nicht realisierbar. Die Belebung der Zwischensaisonzeiten würde vielfach favorisiert. Er sei aber nach wie vor der Meinung, dass gerade die Zeit von November bis März ein Zeitraum sei, der für Erholungssuchende und Kulturinteressierte einen sehr schönen Inselaufenthalt bedeuten könnte. Ein strategisch abgestimmtes Vorgehen aller Leistungserbringer sei dazu die Grundvoraussetzung. "Unsere Konzerte und Theaterstücke könnten nicht nur in der Hauptsaison stattfinden, wenn die Insel ohnehin einer sehr großen Anfrage unterliegt, sondern sollten Highlights in der gefühlten 'Nicht-Saison' sein. Wir leben von einem enormen großen und treuen Stammgastpotential. Aber auf diesen Erbhof können wir uns nicht verlassen und müssen mutig und kreativ in die Zukunft sehen. Wenn wir nichts anfassen, bleiben wir ein marktwirtschaftliches Biotop, das derzeit noch auskömmlich zu sein scheint, aber keine Überlebensgarantie hat, " mahnte Tuitjer.
Die bisherigen knapp fünf Jahre seiner Amtszeit bewertete Tuitjer als überraschend kräftezehrend. Er hätte gehofft, dass der anfängliche Zauber und die als Kandidat erfahrene Unterstützung über die Anfangszeit hinaus Bestand gehabt hätte. Er hätte viele Themen und Ideen eingebracht, die selten als Auftakt zu einer gedanklichen Auseinandersetzung, Diskussion und Weiterentwicklung verstanden wurden, bedauerte er. Er erinnerte an die Fusion der Inseln zur Kosteneinsparung mittels Ausnutzung von Synergieffekten, die Verbesserung der Erreichbarkeit der Insel mittels nichtmaritimer-technischer Anlagen, die Errichtung einer Strandgastronomie, die Veranstaltung einer internationalen Seekajakwoche, die Schaffung von sozial verträglichem Wohnraum durch eine Wohnungsbaugenossenschaft sowie die Teilnahme Baltrums an dem EU-Forschungsprojekt Horizon 2020 zur Erforschung regenerativer Energien. Dies sei oft bewertet worden als Angriff auf feste Strukturen, die es scheinbar zu bewahren gelte. Nur wer bereit sei, sich auf den Weg zu machen, habe eine Chance, etwas zu verändern, sein Credo. Er nähme seinen Wählerauftrag inzwischen wie folgt wahr: "Bürgermeister, verbessere etwas! Aber du darfst dabei nichts ändern!"
Die Baltrumer sollten nicht vergessen, dass die Insel nicht nur für Gäste, die Ruhe suchen, attraktiv sein müsse: "Wir brauchen Familien, die hier leben wollen und dieses wirtschaftlich auch können. Nur eine dörflich-strukturell gesunde Insel bietet die Geborgenheit, die unser Markenzeichen ist!"
Mit einem Dank an alle Kolleginnen und Kollegen der Gemeinde- und Kurverwaltung für ihren Einsatz auch außerhalb der Bürozeiten und an das Publikum für die Aufmerksamkeit wünschte Bürgermeister Tuitjer allen ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2018.
Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Hinrichs
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