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24.07.2020

Taumelflug & Hochzeitsflug


Was haben Möwen im Taumelflug mit Ameisen zu tun?


Im Sommer ist der Hochzeitsflug der Ameisen. Einige 1.000 zart geflügelter Jungköniginnen und die viel kleineren, ebenfalls geflügelten Männchen sind ihre Freier. Nur wenige schaffen die Begattung, denn für unsere Möwen sind ausschwärmende Ameisen ein leckerer Snack (wie saure Drops; sie liefern viel Protein). Die großen, ungelenk fliegenden Schwärme von Lach- und Silbermöwen in der vergangenen Woche zeigten den Hochzeitsflug der Ameisen an.


https://youtu.be/-Zbz7SLe_Ls


Nach dem Liebesakt mit der Königin sterben die Männchen. Die Königinnen erlangen dabei einen Samenvorrat, mit dem sie einige Jahre wirtschaften können.


Auf Baltrum leben u.a. die kleinen „Gelben Wiesenameisen“:

 

 

 

Die Königin, die die Hochzeitsnacht überlebt, ohne von einer Möwe verspeist zu werden, baut in der oberen Salzwiese eine Überwinterungskammer und beginnt im Frühling des Folgejahres mit der ersten Eiablage. Aus den ersten Eiern schlüpfen Arbeiterinnen, die das Nest ausbauen.

 

 

 

Der Ameisenhaufen wächst hauptsächlich in die Höhe, wie eine Warft – Richtung Sonne, damit er leichter erwärmt wird. Im Bau entsteht ein Temperaturgefälle: Die Arbeiterinnen können dann Eier, Larven und Puppen immer zum richtig temperierten Bereich transportieren, was die Entwicklung beschleunigt. Ein Volk von 20.000 bis 35.000 Tieren bewohnt diesen Bau, der mit Gras bewachsen und dadurch perfekt getarnt ist. Der eigentliche Bau allerdings geht bis zu einen Meter tief in die Erde. Im Falle einer drohenden Sturmflut werden – genau wie bei uns Menschen auf Baltrum – sämtliche Zugänge dicht verschlossen.


Das Unglaubliche: Manche Hügel sind bis zu 100 Jahre alt!


Die Lebensweise der Gelben Wiesenameise ist eine ganz besondere. Sie verbringt ihr ganzes Leben unterirdisch. Die Nahrung erhalten sie durch Viehhaltung – sie sind sehr erfolgreiche Wurzellaus-Züchter. Für ihr „Vieh“, die Läuse, reinigen sie die Wurzeln der Wiesenpflanzen von Erde und Sand. Die Laus wird angedockt und kann störungsfrei und sauber saugen. Wenn die Ameisen Nahrung brauchen, betrillern sie mit ihren Fühlern das Hinterteil einer Laus. Die Laus gibt zuckerhaltige Ausscheidung ab, wird quasi von der Ameise gemolken. Das heißt, dass die Ameisen ihren Bau zumindest für den Nahrungserwerb nicht mehr verlassen müssen und weniger Gefahr laufen, gefressen zu werden. Im Herbst trägt die Ameise ihre Eier und die Wurzelläuse tief hinunter ins Nest, wo sie über den Winter gemeinsam in den Winterschlaf verfallen. Im Frühling transportieren sie ihre Läuse wieder hinauf…


Dieses wunderbare Miteinander sollten wir uns als Beispiel nehmen – gegenseitige Rücksichtnahme macht aus dem Aufenthalt auf Baltrum einen tollen Urlaub!

 

Ihr Nationalpark-Haus-Team

 

Karen Kammer, Nationalpark-Haus-Leiterin Baltrum



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Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Karen Kammer
Quelle: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum