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26.09.2020

Frisian Summer


Frisian Summer


Im Moment scheinen sich unsere Salzwiesen in eine rote Farbexplosion zu verwandeln. Das vermittelt – ganz im Sinne des Weltnaturerbes – internationalen Bezug und erinnert an den Indian Summer, der die bunte Laubfärbung Kanadas bezeichnet. So nennt man das Ganze liebevoll angepasst Frisian Summer.

 

 


Ostende

 

 

 

Watteinstieg

 


Die Salzwiese als Übergang zwischen Land und Meer wird an manchen Stellen zweimal täglich vom salzigen Nordseewasser überflutet. Wer dort überleben möchte, hat sich verschiedene Tricks angeeignet, um das Zuviel an Salz loszuwerden.
Ein Trick ist Salz-Verdünnung: Die Vakuole in der Zelle nimmt viel Wasser auf, das Gewebe schwillt dadurch an und wird dickfleischig (sukkulent). Das funktioniert ab Keimung im Frühling, doch nun im Herbst ist das Maß voll: Vor lauter Salz kann kaum noch Stickstoff aufgenommen werden, so dass nur noch wenig Chlorophyll (Blattgrün) gebildet werden kann und andere Farbstoffe (vorrangig rotviolette Betacyane, die man aus der Roten Beete kennt) hervortreten. Die rote Farbe zeigt die Salzvergiftung der Proteine an, die Pflanzen sterben ab – nicht jedoch ohne eindrucksvolles Farbfinale, damit sie uns möglichst lange im Gedächtnis bleiben.

 

Die beiden Pflanzen, die am stärksten und schönsten erröten, sind der bereits bekannte Queller (siehe Artikel: https://www.baltrum-online.de/news_artikel.php?id=4922) und die heute neu vorzustellende Strandsode:

 

 

 


 

Während der Queller seine Blätter auf winzige Schuppen reduziert hat, hat die Strandsode (Suaeda maritima) formenreich abgewandelte, nadelförmige Blätter. Es gibt sie in kurz oder lang, spitz oder rund. Ihre Farbe kann grün oder unter Salzstress rot sein.
An ihrem außergewöhnlichen Standort ist die Strandsode bestens gewappnet: Weil es in der Regel stets windig ist, bildet sie sehr leichte Pollen, die mit dem Wind fliegen. Die Samen sind schwimmfähig und werden sowohl per Luftpost als auch per Wasser transportiert. Wenn sie nicht von unseren Wintergästen wie Schneeammern und Ohrenlerche geknuspert werden, überleben sie bis zum Frühling, wo sie auskeimen. So wachsen jedes Jahr neue Strandsoden.
Die Strandsode wurde – wie ihr Name schon verrät – früher zur Sodaherstellung verwendet. Soda = Aschensalz: Die Pflanze wurde verbrannt und ihre alkalihaltige Asche zum Wäschewaschen genutzt.
Was die intensive, rote Farbe angeht, ist dies in der Natur häufig eine Warnung. Rote Früchte, wie z.B. vom Waldgeißblatt, sind giftig – ob Strandsode und Queller einen Hinweis darauf geben wollen, dass Anknabbern nun nicht mehr lecker ist und sie uns eher den Appetit versalzen?

 

 


Erröteter Queller

 

 

 

Strandsode

 


Andererseits ist Rot eine warme Farbe und steht für Freude, Leidenschaft und die Liebe. Wir jedenfalls wünschen Ihnen herbstlich-bunte, vergnügliche Spaziergänge entlang der Farbenpracht!

 

Das Nationalpark-Haus-Team

 

Karen Kammer


 

 

 


Autor: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum
Fotos: Karen Kammer