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03.04.2021
Ostergänse
Brand-Gans oder Brand-Ente
Tadorna tadorna, der wissenschaftliche Name, ist das französischen Word für Brandente „tadorne“ in lateinischer Version verpackt. Der deutsche Name ist schwieriger, da gibt es zwei Varianten: In alter Literatur findet man Brandente, in neuerer Brandgans. Das liegt daran, dass der Vogel schwierig einzusortieren ist, da er Merkmale aus beiden Gruppen aufweist: Typische Ente ist die Aufnahme tierischer Nahrung und das Verhalten, typisch Gans ist die lebenslange Ehe; das fast gleiche Aussehen von Männchen und Weibchen, der relative lange Hals und das gemeinsame Aufziehen des Nachwuchses. So haben die Ornithologen für diese Mischung eine neue Schublade aufgemacht: Die Gruppe der Halbgänse. Dorthin gehört auch die Nilgans, Alopochen – zu Deutsch „Fuchsgans“, wiederum ein Name, der früher auch für die Brandgans galt.
Der deutsche Namensteil „Brand“ könnte zweierlei Deutungen haben:
„Brand“ im Sinne der Farbe Rot (das braune Brustband) oder von „angebrannt“, entsprechend den schwarz gefärbten Gefiederanteilen, oder von Brandung (obwohl die Brandgans dort nicht herumläuft).

Die Brandgans wird ca. 55 bis 65 Zentimeter groß und 800 bis 1450 Gramm schwer. Sie wird bis zu 18 Jahre alt. Das Gefieder mutet schon fast tropisch-schön an: Sie ist überwiegend weiß, mit dunkelgrünem Kopf, rotem Schnabel und kastanienbraunem Brustband. Seitlich am Flügel ist ein schillerndes, grünes Feld zu erkennen. Die Männchen haben zur Paarungszeit einen roten Schnabelhöcker (dieser ist proportional zur Hodengröße und verrät dem Weibchen einiges über die Potenz ihres Auserwählten – gemäß dem Sprichwort: „Je größer die Nase des Mannes, desto größer sein Johannes…“).

Um das Weibchen ganz für sich einzunehmen, beginnt er bei der Balz mit beeindruckender Hals-Gymnastik (der betörende Gesang ist leider aufgrund der Entfernung bei der Aufnahme flöten gegangen…):
Dass Männchen und Weibchen fast identisch gefärbt sind, liegt daran, dass die Weibchen zum Brüten in den Untergrund gehen – da brauchen sie kein tarnfarben-braunes Gefieder. Sie suchen sich einen Kaninchen- oder Fuchsbau, um dort zu nisten, durchaus zusammen mit dem eigentlichen Bewohner (keine Angst, der Fuchs hat im Bau Beißsperre, damit er seinen eigenen Nachwuchs nicht auffrisst – diese Beißsperre gilt dann auch für die Brandgans).
Das Nest ist eine Mulde, die mit Dunen ausgepolstert wird; sieben bis zwölf Eier werden für knapp einen Monat vom Weibchen bebrütet, während das Männchen draußen gemütlich ein Sonnenbad nimmt, Verzeihung, natürlich in der Umgebung Wache hält. Trotzdem kann es bei Höhlenmangel passieren, dass wohnungslose Weibchen ihre eigenen Eier in ein fremdes Nest („Kuckucksei“) schmuggeln…
Während des Brütens begleitet das Männchen sein Weibchen einmal (andere Quellen behaupten drei bis viermal) am Tag zum Fressen ins Watt und bewacht sie dabei. Zur Nahrungssuche schreiten Brandgänse langsam vorwärts und schwenken dabei ihren breiten Schnabel seitwärts durch Schlick und Schlamm. Die lamellenartigen Strukturen im Schnabel („Seihapparat“) filtern wirbellose Tiere (Krebschen, Muscheln und Schnecken – z.B. 11.500 maximal sechs Milimeter große Wattschnecken pro Stunde!) heraus. Das Wasser wird durch die Lamellen nach draußen gepresst, die Nahrung verbleibt im Schnabel (kennt man so ähnlich von Bartenwalen). Hat sie seiner Meinung nach genug gefressen, muss sie wieder in den Untergrund zurück und weiterbrüten, während er sich ausruht oder für sich Nahrung sucht.
Sind die Jungen geschlüpft, warten die Eltern so lange, bis das Gefieder trocken ist – dann wird der Nachwuchs ans Wasser geführt (Weibchen vorweg, Männchen hinten dran). Das Wasser bietet ausreichend Nahrung und Schutz für die Kleinen.

(links Weibchen, rechts Männchen)
Kurz vor Ende der Aufzucht (diese dauert ca. zwei Monate) werden die Halbwüchsigen verlassen – sie tun sich zusammen (20 bis 100 Küken) und machen eine Art Kindergärten auf, der von wenigen erwachsenen Brandgänsen bewacht wird. Es scheint auch beim Aufeinandertreffen zweier Brandgansfamilien zu einer Auseinandersetzung zu kommen, das stärkere Pärchen gewinnt und übernimmt alle Küken – in der Hoffnung, dass die eigenen in diesem Kindergarten so gut versteckt sind, dass z.B. die Silbermöwen nur Fremd-Küken erwischen. Das schwächere Pärchen weiß den Nachwuchs in guter Betreuung und kann sich früher der Mauser widmen (ist also früher für den Winter gewappnet).
Wieso eignet sich nun die Brandgans, um Ihnen ein fröhliches Osterfest zu wünschen? Ganz klar – durch ihre Eigenart, in Kaninchenbauten zu brüten (Kaninchen und Hase sind ja leider oft im Volksmund dasselbe), konnte man sich den Glauben an den Osterhasen, der die Eier bringt, bewahren...
In diesem Sinne wünschen wir den menschlichen Osterhasen viel Spaß beim Eierverstecken und den Kleinen & Großen viel Erfolg beim Wiederfinden!
Mit brandgänslichen Ostergrüßen wünscht das Nationalpark-Haus Team noch einmal viel Kraft, um diese schwierige Zeit weiterhin geduldig und vor allem gesund zu meistern!
Autor: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum
Fotos: Karen Kammer
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