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12.05.2021

Brandseeschwalben


Brandseeschwalben legen mit dem Brutgeschäft los

Titelvogel der diesjährigen Zugvogeltage findet Schutz im Nationalpark Wattenmeer

 

Nach fünf Monaten Abstinenz ist der krächzende, aber durchaus wohlklingende Flugruf „kärRICK“ der Brandseeschwalbe seit Ende März wieder im Nationalpark Wattenmeer zu hören. Unüberhörbar haben die eleganten Vögel den Weg zurück zu uns gefunden. Den Winter hat die Brandseeschwalbe entlang der Atlantik-Küste von Spanien über Gambia in Westafrika bis nach Südafrika verbracht.

 

Seeschwalben sind typische Vögel an den Stränden der Ostfriesischen Inseln. Gut zu erkennen ist der gewandte Flugjäger am spitzen schwarzen Schnabel, der bei den erwachsenen Tieren eine gelbe Spitze aufweist. Charakteristisch ist auch der für Seeschwalben typische gegabelte Schwanz und die zur Brutzeit im Prachtkleid schwarz gefärbte Kappe mit einem auffälligen, struppigen Schopf. Besonders beeindruckend ist die Jagdtechnik der fischfressenden Brandseeschwalbe: Sie ernährt sich überwiegend von kleinen Heringen, Sprotten oder Sandaalen, die sie mit einem spektakulären Sturzflug auf dem offenen Meer erbeutet – kilometerweit draußen oder direkt vorm Strand.

 

 

 

Die Brandseeschwalbe ist ein Charaktervogel des Wattenmeeres, der an die natürliche Dynamik dieses Lebensraumes besonders gut angepasst ist. Sie brütet häufig in Kolonien in Salzweisen zusammen mit Lachmöwen, Fluss- und Küstenseeschwalben und ist auf störungsarme Strandbereiche als Rastplatz angewiesen, die sie insbesondere in den Ruhezonen des Nationalparks vorfindet. Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sind derzeit ca. 5.500 Brutpaare ansässig. Die meisten von ihnen haben bis vor wenigen Jahren noch auf der Insel Baltrum gebrütet, 2020 waren es allerdings lediglich 1.162 Brutpaare.

Seit dem letzten Jahr hat der Großteil der Brutpaare auf der unbewohnten Insel Minsener Oog Quartier bezogen, die östlich der Insel Wangerooge liegt. Mit 4.265 Brutpaaren war dies 2020 die größte Brandseeschwalbenkolonie im gesamten Wattenmeer. „In diesen Tagen beginnen sie mit der Eiablage“, so Dietrich Frank, Gebietsbeauftragter für Minsener Oog seitens der Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft Mellumrat e.V., für den damit die Brutbestandserfassung beginnt.

 

Die Verlagerung des Brutplatzes ist typisch für die Brandseeschwalbe und tritt regelmäßig auf. Die Gründe hierfür sind vielfältig und hängen unter anderem von der Verfügbarkeit von Fischen, aber auch von Änderungen der Koloniestruktur ab. Wenn vergesellschaftete Arten wie die Lachmöwen ihrerseits die Kolonie verlagern oder sich ihre Bestände ändern, verändert sich dadurch auch die Zahl der in der Kolonie brütenden Brandseeschwalben.

 

 

 

Der Gesamtbestand der Brandseeschwalbe im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer, das sich von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark erstreckt, beträgt etwa 15.000 Brutpaare und ist seit Jahren stabil. „Hier wirkt der Schutz durch den Nationalpark“, freut sich Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. „Dennoch ist es unabdingbar, die Bestandsentwicklung kontinuierlich zu überwachen und ihr geeignete, störungsarme Brutstandorte zu gewähren.“

 

Die Brandseeschwalbe kann besonders gut an den seeseitigen Stränden der Inseln bis in den Oktober hinein bei den tollkühnen Sturzflügen in die Fluten beobachtet werden. Bevor sie uns wieder verlässt, hat sie jedoch noch einen großen Auftritt vor sich: Sie ist der Titelvogel der 13. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, die in diesem Jahr vom 9. bis zum 17. Oktober wieder mit rund 250 Veranstaltungen stattfinden werden. Durch ihren Zug ins Überwinterungsgebiet verbindet die Brandseeschwalbe das Wattenmeer ökologisch auch mit Gambia, dem diesjährigen Partnerland der Zugvogeltage. Das Programm der Zugvogeltage kann online auf www.zugvogeltage/veranstaltungen eingesehen werden.

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Bärbel Nannen und Klaus Dinkla @NLPV
Quelle: Nationalpark-Verwaltung Niedersächsisches Wattenmeer


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