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07.02.2024

Insularer Erfahrungsaustausch


Der Insulare Erfahrungsaustausch hat am Dienstag und Mittwoch 20 Vertreter der sieben Ostfriesischen Inseln nach Norderney geführt. Bis auf die Spiekerooger Delegation, die wegen der Wetterverhältnisse der Tagung per Video zugeschaltet war, kamen die Bürgermeister, Gemeinderäte und Vertreter der Kurverwaltungen zu intensiven Gesprächen im Kaminzimmer des Norderneyer Conversationshauses zusammen.

„Die Stimmung war ausgesprochen gut und durchweg harmonisch“, sagte der Norderneyer Bürgermeister Frank Ulrichs im anschließenden Pressegespräch, bei dem die anderen Inselvertreter nicht mehr dabei waren. Der Gastgeber des Treffens sprach von einem konstruktiven Austausch. „Es gab eine Menge zu besprechen“, so Ulrichs. Auf dem Programm standen 26 Sachthemen, die die Inselvertreter eingebracht hatten und die alle Inseln in größerem oder kleinerem Umfang betreffen. Touristische Themen standen bei diesem Austausch im Hintergrund.

Die Strand- und Sandsituation nach den jüngsten Stürmen betrifft die Inseln in unterschiedlicher Form. Während Wangerooge und Baltrum hohe Sandverluste zu verzeichnen haben, war der Schaden bei den anderen Inseln nicht ganz so gravierend, aber spürbar. Auf Juist und Borkum sei eher der Zuwachs von Sand problematisch. Klar sei, dass es bei allen einen Lebensnerv treffe, so Ulrichs. Und das Thema werde immer wieder beim Land angesprochen.

Das Sozialraum-Management ist ein dringliches Problem aller Inseln. Auf Norderney wurde 2005 das Sozialamt aufgelöst. Wie auf anderen Inseln fehlt die soziale Dienstleistung oder wird teils durch private Angebote aufgefangen. Borkum kooperiere dabei eng mit dem Landkreis. Auch Norderney will entsprechende Gespräche mit dem Kreis führen, um zumindest eine ambulante Beratung in öffentlicher Hand einzurichten. Dazu gehört auch die Integration von Neubürgern, vor allem mit Migrationshintergrund. Auch hier sei Borkum mit einem Integrationsbeauftragten besser aufgestellt, so Ulrichs. Dass sich die Vertreter der Inseln deutlich gegen Rechts aussprechen, sei klar. Ob es zu einer gemeinsamen Aktion komme, sei besprochen worden.

Auf Verwaltungsebene sei Baltrum bereits mit der Gemeinde Ihlow in Kooperation, auch die Insel Wangerooge prüfe eine interkommunale Zusammenarbeit.

Die Breitbandversorgung ist vor allem auf den kleineren Inseln problematisch. Ein großes Problem aller Inseln bleibt die hausärztliche Versorgung. „Jeder, der wegfällt, reißt eine große Lücke“, so Frank Ulrichs. Borkum prüfe die Einrichtung eines Regionalen Versorgungszentrums (RVZ) unter kommunaler Beteiligung. Auch Norderney stellt Überlegungen in dieser Richtung an: „Die Diskussion ist im vollen Gang“, so Holger Reising, allgemeiner Vertreter des Norderneyer Bürgermeisters beim Pressegespräch.

Viele große und kleine Themen verbindet die Inseln. So sprachen die Teilnehmenden über Umweltaspekte wie die PFAS-Belastung im Algenschaum und die Stickstoffbelastung. Einen breiten Raum nahm die Situation der Inseln im Umfeld der Nordsee mit zunehmender Emission ein. „Unsere Räume werden immer mehr eingeengt und die Belastungen werden immer größer“, so Ulrichs. Das Thema soll überregional im europäischen Kontext mit Einbeziehung anderer Inseln der Nord- und Ostsee betrachtet werden. Der Bürgermeister von Juist, Dr. Tjark Goerges, werde die Interessen anderer Inseln dazu abfragen. Der zunehmende Schiffsverkehr mit Inselexpressen und weiteren Schiffen sei nicht besprochen worden, so Ulrichs. „Das wird aber ein Thema werden.“

„Für alle Inseln spannend“ sei ein Projekt zur Wärmegewinnung an der Weser, sagte Ulrichs zum Punkt „Kommunale Wärmeplanung“. Da Windkraftanlagen und terrestrische PV-Anlagen ausgeschlossen seien, beobachte man das Projekt an der Weser mit großem Interesse. Denn möglicherweise könne Wärme aus der Nordsee gewonnen werden. Ebenfalls interessant für alle sei ein Projekt zur Tiefengeothermie, das derzeit auf Borkums laufe. Zu den PV-Anlagen auf den Dächern Norderneys werde die Gestaltungssatzung derzeit überarbeitet, und es werde sich „ein guter Kompromiss finden“, sagte Ulrichs auf Nachfrage.

Ein steter Diskussionspunkt bleibe die insulare Lobbyarbeit mit eigenem Inselvertreter bei Bund und Land. Die Inseln seien zwar nicht homogen, doch gebe es viele gemeinsame Alleinstellungsmerkmale der 17.500 Inselbewohner, die es zu vertreten gelte. Dieses komplexe Thema werde bei einem Treffen in kleinerem Rahmen Anfang November auf dem Festland auf der Tagesordnung stehen.

Der nächste Insulare Erfahrungsaustausch ist für den Februar 2025 geplant. Dann wird die Insel Juist Gastgeberin sein.

 

 

 

Die Vertreter der sieben Ostfriesischen Inseln vor dem Norderneyer Conversationshaus nach dem Insularen Erfahrungsaustausch in dieser Woche. Foto: Verena Leidig


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Verena Leidig
Quelle: Verena Leidig, Norderney


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