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29.12.2021

66 Jahre Baltrum-Urlaub


66 Jahre Baltrum Urlaub

Eine Geschichte von Klaus Harms

 

Sommer 1956: Gerade ein dreiviertel Jahr alt, nehmen mich meine Eltern neben Schwester Elke (7J.), Bruder Karsten (3) und einem Kindermädchen mit auf die Insel, die fortan mindestens einmal jährlich von mir besucht wird.

Schwimmen lernen mit vier, Faust-, dann Volleyball ab elf Jahren, Strandliebschaften, Tennisturniere Gitarrenabende, Dünenfeten, Studienlektüre im Sand, Surfschein bei Ulli, Sturm und Drang bei Meeresleuchten…

 

Herbst 1993: Die nächste Generation erscheint mit Sohn Julius (vier Monate) auf der Promenade, ab 1997 dann zusätzlich Tochter Helena, Gattin Stephanie hatte im Spätsommer 1992 die Inselprobe bestanden.

 

2021 - Urlaub mit Unterbrechungen:

Im zweiten Pandemiesommer erfolgt der große Wechsel in ein neues Quartier. Nach fast vierzig Jahren Treue war das gewohnte Gästehaus im Vorjahr verkauft worden. Da ich mich seit zwei Jahren im unverdienten Ruhestand befinde, sollen es fünfeinhalb Wochen werden, ab sofort im Ostdorf. - Der eigene Nachwuchs ist groß, so begleitet uns Pflegekind Lea, fünf Jahre alt und aus prekären Verhältnissen stammend, in die Sommerfrische. Sie beschert uns nächtliche Unruhe in der ungewohnten Unterkunft und allzu frühen Beschäftigungsbedarf. Nach einer Woche scheitert der Versuch, eine heile Welt zu eröffnen an allzu großem Gefühlskontrast: Auf die Fähre, nach dem Bus in den Zug, wo die letzten Seiten des Ratebuches zusammen studiert werden. Am Bahnhof holt uns Tochter Helena ab, um Lea bei ihrem Vater abzugeben. -  Zwei Stunden später bringt mich der IC zurück an die Küste. Nach einem Dreistundenmarsch von Norddeich-Mole nach Neßmersiel holt mich Sohn Julius mit dem eigenen Schlauchboot wieder auf die Insel. 

 

Es folgt eine sehr erholsame Woche mit allem was dazugehört. Dann unterbricht Gattin Stephanie den Urlaub, um der Einladung zur Hochzeitsfeier einer Freundin zu folgen. Das Bild unten zeigt ihre Rückkehr zur Insel.

 

Samstag, 24. Juli: Wir erhalten die Nachricht, dass in unser Haus eingebrochen wurde. Eine weitere Heimfahrt steht an, um der Spurensicherung Einlass zum Tatort zu gewähren: Aufgehebeltes Fenster trotz herabgelassener Holzrollläden, geöffnete Schränke, verschwundenes Familiensilber, abtransportierte Münzsammlung, entwendete Konfirmationsketten; entehrtes Elternhaus…

 

Tags drauf: Per Faltrad zum Bahnhof, IC bis Mole, an der Küste entlang mit dem Rad zum Hafen Neßmersiel, wo mich Julius erneut auf Wasserebene abholt und wieder zurück bringt für zwei weitere Wochen dieses ganz besonderen Urlaubs...


 

 

 


Autor: Klaus Harms
Foto: Fam. Harms